Einiges auf die Beine gestellt

Bis zu seiner Auflösung war der TSV Verden das Aushängeschild der Domstadt in Sachen Handball. Mittlerweile hat sich die HSG Verden-lAler zu einer guten Adresse gemausert.
Viele Jahre war der Handball in der Stadt Verden eng mit dem  TSV Verden verbunden. 1977 waren die Männer des TSV in die Regionalliga Nord aufgestiegen, 1981 gehörten die Domstädter zu den Gründungsmitgliedern der 2. Bundesliga. In dieser wurde in der Spielzeit 1982/1983 Platz fünf belegt. Heute ist der einstiege Zweitligist längst von der Bildfläche verschwunden. Handball wird in der Kreisstadt dennoch weiter gespielt – und das sehr erfolgreich in der 2004 „gegründeten“ HSG Verden-Aller.

Björn Hake
Dass die Jugendarbeit bei der HSG Verden-Aller eine gute ist, hängt auch viel mit dem Engagement von Juri Wolkow zusammen. (Björn Hake)

Viele Jahre war der Handball in der Stadt Verden eng mit dem  TSV Verden verbunden. 1977 waren die Männer des TSV in die Regionalliga Nord aufgestiegen, 1981 gehörten die Domstädter zu den Gründungsmitgliedern der 2. Bundesliga. In dieser wurde in der Spielzeit 1982/1983 Platz fünf belegt. Heute ist der einstiege Zweitligist längst von der Bildfläche verschwunden. Handball wird in der Kreisstadt dennoch weiter gespielt – und das sehr erfolgreich in der 2004 „gegründeten“ HSG Verden-Aller.
Besiegelt wurde die Fusion des TSV Borstel, des TSV Dauelsen und des Eitzer SV am 18. Mai 1994. Den Bezug zur Stadt Verden suchte man bei der Gründung allerdings vergebens: An den Start war das nunmehr unter einem Dach vereinte Trio nämlich unter dem Namen HSG Aller gegangen.  Vorsitzender der Spielgemeinschaft war Holger Badenhop. Erst neun Jahre später, als sich der TSV Verden unter Führung von Sven Klaasen der Spielgemeinschaft  angeschlossen hatte, wurde aus der HSG Aller die heutige HSG Verden-Aller. Vorausgegangen war das Ende einer großen Ära des Handballs in der Stadt Verden. 1991 war dem TSV Verden noch einmal der Aufstieg in die Regionalliga gelungen, 1996 zog sich der Verein freiwillig in die Oberliga zurück, 2000 folgte der Zwangsabstieg. Drei Jahre später, nach dem Abstieg aus der Verbandsliga, war das Kapitel Leistungshandball beim TSV Verden Geschichte. Später lief der Klub unter neuer Führung von Gerd Williges noch einmal in der 3. Kreisklasse auf, einige Jahre später wurde er TSV Verden gänzlich aufgelöst. Sven Klaasen kann sich noch gut an die Zeit erinnern. In der großen HSG sah der damalige erste Vorsitzende des TSV Verden und heutige Trainer der männlichen Jugend B der HSG Verden-Aller eine große Chance.  „Die HSG Aller war in der Breite gut aufgestellt, Verden hatte einige große Talente und das Fachwissen für Leistungssport“, blickt der Bankkaufmann zurück. Unter dem Trainer Sven Klaasen wuchs in den folgenden Jahren ein starker Jahrgang heran. Mit Akteuren wie Tobias Freese, Fabian Balke, Oliver Schaffeld und Juri Wolkow war die HSG Verden-Aller in der Saison  2007/2008 mit der A-Jugend in der Oberliga unterwegs. Dass es für die Talente im Herrenbereich dann in der damaligen Bezirksliga weiterging, hatte die HSG indes einem anderen Stadtteilklub zu verdanken: „Der TSV Walle hatte sein Startrecht an uns abgetreten, weil wir unsere jungen Talente in Vorausschau des geplanten Zusammenschlusses zum TSV gegeben haben“, erläutert Sven Klaasen. Zu der angestrebten Fusion mit dem TSV Walle kam es im Jahre 2008 allerdings nicht. Walle habe leider auf dem letzten Drücker einen Rückzieher gemacht, erläutert Sven Klaasen. Heute – mehr als zehn Jahre später – hat sich der Handball in Verden auch über die Kreisgrenzen hinaus längst wieder zu einer guten Adresse gemausert. Eng verbunden ist der Aufschwung mit dem Namen Juri Wolkow. Als Jugendwart, Trainer, Spieler und Vorsitzender des Fördervereins hat dieser vieles bewegt. „Ohne Juri wäre die HSG nicht da, wo sie heute steht“, lobt Sven Klassen seinen ehemaligen Schützling aus A-Jugendzeiten. Aber, schränkt Sven Klaasen ein, ohne ein funktionierendes Trainer- und Betreuerteam wäre das alles nicht möglich gewesen. Mit Björn Fechner, Lars Blatt, Ulfert Dudda, Niels Blatt oder auch Sven Klaasen selber bringen sich viele Übungsleiter ein, deren Wurzeln beim TSV Verden liegen. Im Jugendbereich ist die HSG Verden-Aller in der aktuellen Saison 2019/2020 mit vier Teams höherklassig vertreten: Zwei männliche C-Jugenden spielen in der Ober- und Landesliga, die B-Junioren sind in der Verbandsliga unterwegs und die weibliche Jugend C liefert sich in der Landesliga einen Zweikampf mit dem VfL Horneburg um die Meisterschaft. Im Seniorenbereich haben sich die aktuell vom Oytener Sascha Kunze trainierten Männer in der Landesliga etabliert. Mit über 20 Mannschaften nimmt die HSG in der aktuellen Spielzeit am Spielbetrieb teil, nur in der männlichen Jugend A klafft derzeit noch eine kleine Lücke. Vereinsinterne Trainingslager, Fahrten zum Beachhandball nach Cuxhaven oder zu Bundesligaspielen, die Schaffung von zwei FSJler-Stellen und nicht zuletzt der Aller-Weser-Cup: Juri Wolkow hat mit seinem engagierten Mitstreitern in den vergangenen Jahren zweifellos so einiges auf die Beine gestellt. Apropos Aller-Weser-Cup: Das von der HSG unter der Regie von Timo Dienstmann im Sommer auf den Sportplätzen des TSV Borstel organisierte Freiluft-Event hat sich in seiner nunmehr 15-jährigen Geschichte längst zu einem der größten Rasenhandballturniere der Region entwickelt. Dass eine Verdener Handballmannschaft einmal wieder vor mehr als 1000 Zuschauern in der Aller-Weser-Halle um Punkte spielt, davon ist die HSG Verden-Aller noch ein großes Stück entfernt. Aber während viele Vereine längst von der Bildfläche verschwunden sind, hat die HSG Verden-Aller in der Kreisstadt einen herausragenden Neustart hingelegt. Auf die Ziele angesprochen, geben sich die HSG-Verantwortlichen dennoch bescheiden. „Unser Fokus liegt darauf, dass wir durch unsere engagierte Jugendarbeit auch den eigenen Seniorenbereich stärken“, betont Klaasen.

 Quelle: Jürgen Prütt Aus der Verdener Nachrichten / Weser-Kurier - 15.04.2020