Am Anfang steht der Spaß

Es geht in erster Linie um Spaß, aber es handelt sich schließlich um Sport, auch um Leistung und Erfolg. Und so bietet die Handballspielgemeinschaft Verden-Aller, die 1994 gegründet wurde und sich aus Spielern der Stammvereine TSV Borstel, TSV Dauelsen und dem Eitzer SV zusammensetzt, sowohl Handball als Breiten- als auch als Leistungssport an. „Zu uns kann jeder kommen, der Spaß am Spiel und Miteinander hat und bereit ist, sich in seinem persönlichen Rahmen zu verbessern“, meint Juri Wolkow, Jugendwart und erster Vorsitzender des Fördervereins.

Auch Wolkow selbst wurde schon vor langer Zeit „vom Handballfieber infiziert“ und spielt inzwischen in der 1. Herren-Mannschaft. „Im vorigen Jahr sind wir leider aus der Landesliga in die Landesklasse abgestiegen, aber da wir momentan auf dem ersten Platz stehen, sieht wieder alles nach Aufstieg aus.“

Viele Mannschaften sind es, die bei der HSG hochklassig spielen. So seien die meisten A- und B-Jugend-Mannschaften in der Landesliga vertreten und könnten dort entweder eine oder sogar zwei Mannschaften stellen. Um entsprechende Leistungen erbringen zu können, werde einiges getan, zum Beispiel gehöre zum Projekt Leistungshandball eine Trainingswoche, abgehalten jeweils in den Oster-, Herbst- und Winterferien. „Von Montag bis Freitag wird dann in der Zeit von 10 bis 13 Uhr sowie von 13 bis 16 Uhr intensives Training, nach Altersstufen gestaffelt, angeboten.“ In den anstehenden Osterferien werde es diese Trainingswoche zum dritten Mal geben, freut sich Juri Wolkow. 

„Es versteht sich natürlich von selbst, dass es in dieser Woche nicht nur darum geht, am Ende noch besser Handball spielen zu können: Das Gemeinschaftsgefühl einer Mannschaft profitiert von so viel gemeinsam verbrachter Zeit natürlich ebenfalls ungemein.“ Innerhalb einer Mannschaft entstehe aber meistens automatisch der Wunsch, sich zu verbessern. Auch ein gewisser Leistungsdruck gehöre im Sport vielfach einfach dazu, dürfe aber natürlich nie zu groß werden. Der HSG-Jugendwart sagt: „Auch Verlieren will gelernt sein. Aber eine gute Mannschaft steckt auch eine Niederlage weg.“

Zu guten Mannschaften gehörten auch gute, sprich gut ausgebildete und motivierte Trainer: Die HSG sei in der glücklichen Lage, über genügend Trainer zu verfügen, die allesamt selbst Handball gespielt haben oder es noch immer tun. „Wir rekrutieren gerne aus den eigenen Reihen“, auch dieses Jahr werde man wieder acht Mitgliedern ermöglichen, die Trainer C-Lizenz zu erwerben. Dass sich diese Bemühungen im Trainingsbereich auszahlten, könne man beispielsweise an der angehenden weiblichen C-Jugend sehen: „Dort gab es den größten Zuwachs. Im Juli haben wir mit zwei Mädchen angefangen, inzwischen sind es 22, die ihre Finger nicht mehr vom Handball lassen können.“

Alle Altersklassen vertreten

Aufgrund des grundsätzlich hohen Zulaufs in der jüngsten Zeit werde man ab nächstem Jahr sowohl im männlichen als auch im weiblichen Jugendbereich in allen Altersklassen mindestens eine Mannschaft melden können. Generell sei bei der insgesamt etwa 300 Mitglieder zählenden Spielgemeinschaft die Altersgruppe der 11- bis 13-Jährigen am stärksten vertreten, wobei sich männliche und weibliche Vereinsmitglieder etwa die Waage hielten.

Dass so viele Kinder und Jugendliche den Weg zu ihnen finden würden, sei nicht dem Zufall, sondern vielmehr ihrer intensiven Arbeit auf diesem Gebiet geschuldet, sagt Juri Wolkow: „Wir arbeiten seit Jahren mit älteren Jugendlichen zusammen, die gerade ein Freiwilliges Soziales Jahr absolvieren und die Trainer in den unteren Jugenden unterstützen.“ Die Kosten für diese FSJler teile man sich zusammen mit dem Domgymnasium, wo sie ebenfalls eingesetzt werden, um den sportlichen Bereich zu unterstützen.

„Um neue Mitglieder zu gewinnen, gehen die FSJler aber auch gezielt in Schulen“, insbesondere die Arbeit an Grundschulen solle weiter ausgebaut werden, wo Arbeitsgemeinschaften geplant seien und generell Werbung für den Handballsport gemacht werden könne. Bevor sie in den Schulen präsent gewesen seien, sei Handball „schon fast nur noch eine Randsportart gewesen“, aber inzwischen erfreue sich der Sport wieder großer Beliebtheit. Und die Kinder kämen dann auch nachmittags wieder vermehrt in Handballvereine, freut sich der Jugendwart. Noch aus einem anderen Grunde sei ein früher Kontakt mit der Ballsportart sinnvoll: „Es geht darum, eine gute Auge-Hand-Koordination zu erwerben und ein Gefühl für den Ball zu entwickeln.“

Ab sieben Jahren könne man zur HSG kommen, „aber auch wenn jemand noch etwas jünger ist, werden wir ihn nicht wegschicken“, sagt Wolkow. Eltern könnten die Fähigkeiten ihrer Kinder meistens gut einschätzen und erkennen, ob ihr Kind Spaß hat oder nicht.

Handball-Neulinge würden wie folgt an die Sportart herangeführt: „Eigentlich geht es zunächst nur ums Spielen.“ Darum, den Ball einfach in die Hand zu nehmen und den Dingen seinen Lauf zu lassen. Vorgaben würden kaum gemacht, „man muss der Kreativität einfach nur Raum geben“. Tennisbälle oder auch Luftballons kämen dabei ebenso zum Einsatz wie verschiedene Geräte aus dem Geräteraum. „Zum Beispiel kann man Kastenspringen spielen, Fangspiele machen oder Dinge abwerfen lassen. Eine Ballgewöhnung erfolgt dabei automatisch.“

Tolerante Schiedsrichter

Wenn es dann schließlich irgendwann in Richtung Punktspiele gegen andere Mannschaften gehe, so könne man sicher sein, im unteren Jugendbereich stets auf sehr tolerante Schiedsrichter zu treffen. „Auch wenn beim Handball eigentlich nur drei Schritte mit dem Ball in der Hand erlaubt sind, macht es da gar nichts, wenn es einmal fünf oder sechs werden.“ Pädagogisches Pfeifen nenne man das, denn der sich entwickelnde Spielfluss solle schließlich nicht unterbunden werden „und wenn jede Aktion abgepfiffen würde, bliebe der Spaß auch schnell auf der Strecke“. Ab der E-Jugend werde schon etwas genauer auf die Einhaltung der Regeln geachtet, und spätestens in der D-Jugend müssten sie befolgt werden.

Natürlich seien Punktspiele im Rahmen der aktuellen Saison wesentlich, es würden seitens der HSG aber auch noch andere Aktionen angeboten. So gebe es verschiedene Turniere, an denen man teilnehmen könne, beispielsweise das Beachhandballturnier im Sommer in Cuxhaven oder auch der durch die HSG organisierte Aller-Weser-Cup, der in diesem Jahr am 20. August ausgetragen wird (nähere Informationen unter www.aller-weser-cup.de). „Außerdem fahren wir des Öfteren zu Spielen der Nationalmannschaft oder auch, wie jetzt am 19. März, zum Tag des Handballs nach Hamburg.“

An der Finanzierung derlei Aktionen seien oftmals die vielen Sponsoren der Handballspielgemeinschaft, aber auch der Förderverein beteiligt, der sich ebenso wie die HSG an sich über großen Mitgliederzuwachs freuen konnte und inzwischen etwa 100 Mitglieder zählt.

Eine weitere kleine Einnahmequelle entsteht durch die regelmäßigen Altpapiersammlungen, die der Verein vornimmt. Juri Wolkow: „Zwischen 300 und 500 Euro bringt uns das pro Sammlung im Schnitt ein, die dann wieder der Jugend zugute kommen.

Quelle: Andrea Kreutzer  - 12.03.2017